| Mein Weg zum Atheismus | |||
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Irgendwie paßte das alles ja auch ganz gut so zusammen. Wahrscheinlich holte der Klapperstorch die kleinen Kinder oben im Himmel beim lieben Gott ab, der sie gemacht hatte und sie dann den Menschen schenkte. Störche können ja schließlich fliegen. Ich glaubte an all das, weil mir der Erwachsenen erzählt hatten, das alles tatsächlich wahr ist. Warum sollten mich Eltern, andere ältere Verwandte, Kindergärtner/innen, Lehrer oder gar unser Gemeindevikar anlügen? Die Erwachsenen wußten ja sowie alles besser als wir unerfahrenen Kinder. ...und irgendwie war das ja auch ganz toll. Ich könnte als Christ ewig leben, in´s Paradies kommen und dort ein ewiges sorgloses Leben in Luxus führen. Natürlich mußte ich mich auch vor der Hölle in Acht nehmen. Die Aussicht, der ewigen Verdammnis einheimzufallen sorgte mich. Aber wenn ich mein Leben lang schön fromm blieb, könnte mir schon nichts passieren. Aber, wer weiß... |
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Nun, unser Nachbar, der seine neugeborenen Kätzchen in der Regentonne ertränkte, durfte aber unbehelligt weiterleben. Welches Verbrechen hatte meine kleine Schwester begangen, daß sie die Todesstrafe verdient hatte? "Jeder
ist schuldig, schon allein durch die Erbsünde!" Also gut, wenn
ich irgendwelche Dummheiten gemacht habe, dann bin ich auch bereit dafür
einzustehen. Aber warum soll ich und Millionen andere Menschen dafür
bestraft werden, weil vor ein paar tausend Jahre jemand Gottes Gebot verletzt
hat? |
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Ich wurde größer und interessierte mich für meine Umwelt. Überall waren wir ja schließlich von Wundern umgeben. Aus dem Radio erklang die Stimme eines Mannes, obgleich kein Mann im Radiogerät war. Unser Auto fuhr, ohne daß es von Pferden gezogen wurde. Im Winter rieselte weißes Zeug vom Himmel, und im Sommer war es warm. Manchmal schien der Mond und manchmal nicht. Warum? Fragen über Fragen, auf die ich Antworten haben wollte. ...und die Erwachsenen gaben sich redlich Mühe, meine Wißbegier zu stillen. In dem Automotor gibt es viele kleine Explosionen, die die Kolben vorantreiben, die Kraft wird dann durch ein Getriebe und eine Kardanwelle auf die Antriebsachse übertragen, und das Auto fährt. Ebbe und Flut werden bestimmt durch die Anziehungskraft des Mondes. Auf alle Fragen bekam ich vernünftige und meist auch nachvollziehbare Antworten. |
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Ich war äußerst verunsichert. Warum bekam ich keine Antworten auf jene Fragen? Wollte man etwas verheimlichen??? Ich wurde
größer, und die Eltern meinten, es wäre nun an der Zeit,
daß ich (sexuell) aufgeklärt werden müsse. Also, die Geschichte
mit dem Klapperstorch stimme irgendwie doch nicht, in Wirklichkeit ist
das etwas anders, wie die kleinen Kinder geboren werden. Nun war ich aber erleichtert, denn dann war es bei der Geschichte mit dem lieben Gott und Jesus und so weiter eben auch wahr. Daran glaubt man nun einmal, bis man zehn Jahre alt ist, und dann ist die Sache erledigt. "Von wegen! Gott und alles andere, was wir dich gelehrt haben, existiert wirklich! Du mußt dein Leben lang daran glauben", so die Erwachsenen. Nun wollte ich aber der Sache erst recht auf den Grund gehen. Warum bin ich katholisch und nicht evangelisch? "Weil dein Vater katholisch ist. Dein Vater ist katholisch, weil dein Großvater katholisch war und so weiter. Im Mittelalter gab es einmal ein Gesetz, nach dem jeder die Religion seines Landesherrn annehmen mußte. Wer das nicht wollte, durfte auswandern. Seitdem sind jedenfalls alle Koßmanns katholisch, und auch du mußt mal deine Kinder katholisch taufen lassen und erziehen!" ... Das sollte der einzige Grund sein?! Kommt denn dann der evangelische Theologiestundent nicht in den Himmel? "Doch, der komt auch in den Himmel!" Warum ist der dann evangelisch und nicht katholisch? "Genau wie bei dir, weil sein Vater evangelisch war." Die Religion pflanzt sich also von Generation zu Generation fort wie eine ansteckende Krankheit, der man machtlos ausgesetzt war. Im Himmel war es wahrscheinlich so wie bei der Bundesbahn, die Katholiken bekamen die Abteile erster Klasse und die Protestanten die der zweiten Klasse. Doch damals kamen die ersten türkischen Einwanderer in´s Ruhrgebiet, die wiederum eine ganz andere Religion hatten. Im Fernsehen hatte ich busshistische Mönche gesehen, die sich öffentlich verbrannten. Jede Religion und jede Kirche verbreitete irgendwas anderes, aber wer von denen hatte nun recht? Nun wollte ich es genau wissen, denn meine Verunsicherung hätte mir sonst mein Leben zur Qual gemacht. Von da an habe ich mich mit Religion beschäftigt. |
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